20 Winkel | Produzentengalerie Kassel | 1989

kinetisch-akustische Installation

20 elektromagentische Spulen werden von individuellen Impulsgebern angesteuert und evozieren zuckende Metallkerne. Diese schlagen gegen gegossene Bleiplatten, die in unterschiedlichen Klängen ertönen.

...Die achte Installation baute Christian Blilger, ihr Titel, »20 Winkel«, eine kinetisch-akustische Installation, die aus 40 Teilen besteht: aus 20 Winkeln, die In loser Anordnung auf die Wandflächen der Raumecke verteilt und 20 Kästen, die in einer schräg verlaufenden Linie auf dem Boden des Raumes befestigt sind. Hinter dieser Kasten-Linie liegt das dicht verzweigte Netz der dünnen, schwarzen Kabel, die die Winkel mit den Kästen verbinden. »Die Winkel sind die aktiven Teile, Geräusch und Bewegung. Die Kästen dagegen sind fast stumm, eine Art black box, nur ein kleines rotes Zucken dann und wann ist ihre einzige wahrnehmbare Aktivität, gekoppelt mit einem leisen Schaltgeräusch«. Christian Bilger beschreibt seine Kunstwerke wie ein Ingenieur seine Geräte: In sorgfältiger Sachlichkeit und emotionsloser Distanz, als wollte er den horchenden Befrachter zur Konzentration zwingen. damit er die unterschiedlich langen und individuell verschiedenen Impulse wahrnimmt. Die Winkel aus zwei gegossenen Bleiplatten. Energie als Geräusch, als aufzuckendes Licht. Ein zähes Zittern oder kräftiges Hüpfen der auf die Bleiplatten klopfenden Metallstäbe. Geräusch, Klänge und aufblinkende Lichter. Ein Künstler, der sich bisher mit Wasser- und Wind-Installationen beschäftigte. In dieser Ausstellung ein bewußter Gegenpol zu der in der Nähe befindlichen Torf-Arbeit von Silvia Breitwieser oder der »Knochenleiter von Fritz Gilow, hier die Funkionsbedingte Technologie und ihr gegenüber das zweckfreie Natur-Material, das zur Errichtung visionärer Bildräume verwendet wurde: hier die zeitgemäße Präzision der Geräte und Mechanismen - die übrigens Christian Bilger alle selbst anfertigt - und dort der Gefühlskontinent der Allegorien und Exotismen. Beides Produkte der menschlichen Phantasie, raumschaffende und raumenthaltende Elemente, die zu den unterschiedlichsten Resultaten führten. Vielleicht am befremdendsten an jener Stelle, wo man mit den technischen Geräuschen von Bilger im Ohr mit dem Monument aus Torf oder mit der hüttenähnlichen Behausung von Gilow konfrontiert wird. Jene hohen, tiefen, schnellen oder langsamen Töne, die mit den Erinnerungen und Kenntnissen der natürlichen Materialien nicht mehr ühereinstimmen und den Schauenden und Horchenden in einer rätselhaften Irritation zurücklassen.

Walter Aue













20-10-2016 | Disclaimer | Impressum | Christian Bilger, VG Bild-Kunst, Bonn